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 Schützenverein Schützenlust Stockstadt a. Main 1926 e.V.

Augen auf beim Waffen Kauf
Tja früher war alles besser, diesen Slogan hört man öfters und im Falle unseres Hobbys ist auch was dran. Bis in die frühen 70er Jahre war die Qualität der Sportwaffen als sehr gut zu bezeichnen. Viel Handarbeit sorgte hier für gute Produkte – aber auch für immer schneller steigende Preise. So ab Mitte der 70er regierte bei den Herstellern der Rot Stift.
Heutige Waffen werden in einem hohen Maße automatisiert gefertigt – hört sich erst mal gut an, aber auch hier gilt zu beachten, ist das gute Stück am Ende einer Serie entstanden?  Dann waren die Werkzeuge evtl. auch kurz vor dem Ende Ihrer Standzeit und die Toleranzen sind am oberen Ende angesiedelt. Deshalb gilt es, auch heute noch, das Stück der Begierde genau zu prüfen bevor es seinen Weg in die WBK findet.
 
Bevor man an das begutachten geht, sollte man sich die Sportordnung mit der jeweiligen Disziplin genau durchlesen. Der zukünftige Erwerb sollte hier genau passen (Gewicht, Abzug, evtl. Prüfkasten usw.) da sonst schnell Probleme in der weiteren Sportlichen Verwendung entstehen können.
 
Wenn dies geklärt ist und eine Vorauswahl getroffen wurde, schaut man sich die Stücke, bei dem Händler seiner Wahl einmal an.
Als erstes versuche ich immer mal Anhand des Beschussstempels in etwa das Herstellungsjahr der Neu Waffe zu ermitteln (wenn das gute Teil schon 2 Jahre auf Halde lag, sollte sich das auch im Preis wiederspiegeln). Danach wird es ein wenig komplizierter.
 
Fangen wir mal mit einem Revolver an, hilfreich ist ein Lineal und evtl. eine Fühlerblattlehre 0,2mm.
 
Das Lineal legt man an Rahmen an und schaut dann ob der Lauf parallel zum Lineal verläuft – hier sieht man öfters das Läufe schief eingesetzt wurden – der Revolver schießt zwar trotzdem aber das Visier muss hier schon kräftig nachgestellt werden und der Verstell Bereich kommt dann schon mal an seine Grenzen.
 
Die Fühlerblattlehre wird zwischen Trommel und Lauf gefädelt, 0,2mm Spiel gelten als guter Kompromiss zwischen Gasverlust und Funktion. Ist der Spalt enger, verliert man weniger Druck, dafür kann die Trommel durch Schmutz mal blockieren. Ist der Spalt weiter geht viel Druck verloren und der Schmutz spritzt auf die Nachbarstände.
 
Jetzt wird das Timing überprüft – damit die Trommel dann einrastet wann sie soll. Hierzu Lauf nach oben und gaaaaanz langsam den Hahn spannen. Das Geräusch der Trommelrast sollte man nun hören kurz bevor der Hahn einrastet. Wenn dies bei allen Kammern der Fall ist kann man das Trommelspiel seitlich und in der Längsachse prüfen. Hier darf sie nur minimal wackeln.
 
Die Bohrungen der Trommel sollten natürlich auch alle mit dem Lauf fluchten, hier kann man mit einer kleinen hellen Lampe die , eingerastete, Trommel von hinten anstrahlen und von vorne durch den Lauf schauen, das wenige Licht genügt um hier beurteilen zu können ob die Bohrungen fluchten.
Man kann dies auch mit einem Holzstab machen, der saugend in den Lauf passt und an der Stirn eine „scharfe“ Kante aufweist. Mit dieser Kante kann man die Trommelbohrung ertasten.
 
Zum Abschluss noch die Qualität beurteilen, sieht man Frässpuren oder Riefen (besonders im Trommelfenster). Kratzt oder hackt der Abzug, weißt das Finish Fehler auf?
 
Diese Überprüfung dauert keine 15 Minuten und man weiß dass zumindest grob alles soweit o.k. ist.
Abzüge kommen heute leider selten „Matchtauglich“ aus der Fabrik und gute Griffe ab Werk sind leider auch Mangelware oder teuren Sonderserien vorbehalten.
 
Tja gebrauchte Revolver ist natürlich auch ein Thema – der Markt ist voll und die Auswahl groß. Sollte das Auge auf einem solchen Stück ruhen,  sind die oben stehenden Tipps natürlich auch hier anzuwenden, zusätzlich ist es natürlich hilfreich wenn man die Schussbelastung und die Munition dazu kennt.  Eine gebrauchte ist auch immer ein wenig Vertrauenssache.
 
Kommen wir zu den Pistolen, hier wird es ein wenig komplizierter.  KK- Sportpistolen haben eine recht simple Feder- / Masse Verriegelung, mit festem, im Gehäuse eingesetztem Lauf. Die Abzüge sind meist als Modul konstruiert und voll einstellbar. Hier ist die Kaufwertung zuerst mal auf das Handling zu setzen,  zu schwer, zu leicht, zu vorderlastig, Griffwinkel zu steil / zu schräg usw. Die Marken Hersteller liefern in diesem Segment, in der Regel, keine „B“ Ware aus. Als Bsp. mal die Walther GSP aus den 70ern, sie sind heute noch auf Wettkämpfen anzutreffen und liefern immer noch Spitzen Ergebnisse.
 
Die .32 S&W long´s für die Zentralfeuer Disziplin des DSB sind auf den Chassis der KK Sportpistolen aufgebaut, somit gelten hier auch diese Kriterien.
 
Interessanter wird es ab der 9mm Luger Klasse, hier gilt es schon verschiedene Punkte zu prüfen. Die meisten Pistolen dieser Klasse verriegeln nach Art des Browning Prinzips ( High Power ). Da der Lauf hier nicht starr verschraubt ist muss die Verriegelung ohne viel Spiel erfolgen. Zum Prüfen hier einmal im Auswurffenster auf den Lauf drücken, gibt hier was nach? Auch mal an der Mündung wackeln.
 
Nun den Hahn spannen und das Schlittenspiel auf dem Griffstück durch wackeln prüfen. Fühlt man bei beiden Aktionen kein großes Spiel ist zumindest mal eine Basis da.
 
Der Markt ist hier recht groß und jedes Model weist auch immer ein paar „spezielle“ Eigenheiten auf die man sich einmal anschauen sollte. Die Pistolen des Tschechischen Herstellers CZ,  hier z. Bsp. das Model 75/85,  sind häufiger anzutreffen, für das Sportliche Schiessen können hier einige Änderungen erfolgen bzw. sollte man sich gleich für das Sportmodel entscheiden.
 
Man hört oft die Frage ob die längeren 6 Zoll Modelle denn so viel bringen? Darauf ein klares Jein, durch die 2,5 cm längere Visierlinie hat man einen Vorteil im Zielvorgang. Auch bringen diese 2,5cm mehr Länge eine etwas höhere Vorderlastigkeit, das hilft bei den Zeitserien.
 
Aus einer Einspannvorrichtung geschossen liegen 5“ und 6“ Läufe relativ gleich – aus der Hand geschossen bringen die längeren 6“ Pistolen einen leichten Vorteil.
 
Auch auf dem Großkaliber Markt gibt es inzwischen eine Orientierung weg vom Gebrauchspistolen Design, hin zur Sportpistole.
Einige Hersteller wie SIG, Pardini, S&W oder Benelli bieten oder boten Pistolen mit komplett einstellbaren Abzügen an. Da der Griff sich hier, durch das Magazin im Griff, nicht ganz so individualisieren lässt wie im KK Sportpistolenbereich und auch etwas mehr „Arbeit“ (Rückstoß) anfällt sind Elastomer Griffe von Pachmayr oder Hogue eine gute Wahl. Auch größere und angepasste Holzgriffe machen die Arbeit leichter – die manchmal sehr glatten und rutschigen Original Griffe kann man aber auch mit Skateboard Tape dazu bringen sich besser anzufühlen.
 
Was für die 9mm Luger gilt, gilt auch für die .45 ACP. Viele Modelle orientieren sich hier am Dienstpistolen Klassiker Colt 1911. Die Kriterien sind gleich Lauf und Schlitten kein Fühlbares Spiel.
 
Auch in dieser Klasse sind Sportmodelle mit regulierbaren Abzügen und 6 Zoll Läufen erhältlich und man sollte sich die, zumindest einmal zum Vergleich, anschauen.
 
Der Gebrauchtmarkt ist hier ebenfalls nicht gerade klein und man sollte sich genau überlegen ob ein „Schnäppchen“ durch Nachrüstung nicht auch ein Preisniveau erreicht indem etwas anderes sinnvoller sein kann.
Zumindest der Abzug, die Visierung und die Passungen sollten für die eigenen Ansprüche tauglich sein. Auch ist es nicht preiswert eine 5 Zoll Pistole zur 6 Zoll umzubauen. Wenn man etwas Gebrauchtes sucht, hilft es ein wenig Geduld zu haben.
 
Schwierig wird es für Ordonnanzgewehr Schützen – der Neukauf fällt hier aus, zumindest im eigentlichen Sinne. Die Sportordnung sagt: bis zur Einführung 1963 und deren Nachbauten.
Hier also Augen auf oder den teureren Schritt sich ein Custom Gewehr bei einem Büchsenmacher herstellen lassen.
Soll es ein Original sein, Lauf muss innen blank sein und die Zug Kanten scharf. Die Patronenzuführung sollte nicht hakeln (mit Dummys testen). Der Verschluss muss ohne Störungen laufen und das Visierbild soll man gut erkennen. Auch die Schaft Ergonomie sollte passen, die Englischen Enfields bieten die Möglichkeit das Schaftende zu tauschen und somit eine Einstellung für den Schützen vorzunehmen.
 
Über Kaliber, Vorteile und Nachteile gibt es einige Debatten – hier darf sich jeder Interessierte selbst schlau machen, nur eines ist in dieser Klasse Fakt : Die Gewehre werden nicht jünger und der unendliche Strom an „Frischware“ den es Ende der 60er und in den 70ern noch gab, ist nun abgerissen. Das trifft auch auf das Zubehör, Ersatzläufe, Schäfte usw. zu.
Auch hier empfehle ich ein wenig mehr in Qualität zu investieren um langfristig Spaß mit seinem Original zu haben.
 
Da unser Hobby doch so einige Auflagen hat, lasst euch Zeit mit dem Kauf – prüft und vergleicht, denn ist´s mal auf der WBK eingetragen, bleibt´s auch einige Zeit drauf.
 
 
 
 
2015 Copyright by Bernd Dinges
 

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