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 Schützenverein Schützenlust Stockstadt a. Main 1926 e.V.

Infos zum Wiederladen
Grundsätzlich benötigt man eine Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz zum Umgang mit Treibladungsmitteln um hier agieren zu können. Dies ist eine staatliche Prüfung und wird von verschiedenen Veranstaltern incl. der Prüfung angeboten. Mit diesem Zeugnis kann man dann auf seinem zuständigen Amt sein „Büchlein“ beantragen.
 
Wiederladen bietet die Möglichkeit die Munition auf seine eigene Waffe abzustimmen. Das heißt das Geschossgewicht, Form, Material oder auch den Hersteller mit vielen anderen Komponenten zu kombinieren. Dieser Vorteil ist auch gleichzeitig das Problem, denn wenn man eine Traum Ladung gefunden hat, muss man sich von den Komponenten aus dieser Serie natürlich möglichst viel einkaufen um diese Laborierung auch über einen längeren Zeitraum schießen zu können, da hier von Charge zu Charge mit Toleranzen zu rechnen ist. Eine „Traum-Patrone“ mit der Hülse X, dem Zündhütchen Y, dem Pulver Z und dem Geschoss A, kann mit verschiedenen Chargen ganz unterschiedlich Ergebnisse bringen. Nur als Beispiel dienen die verschiedenen Pulver, wer einmal alte Ladedaten der Hersteller mit neuen vergleicht sieht das recht deutlich. Deshalb sollten Ladedaten auch immer wieder überprüft  werden, 20 Jahre alte Daten können manchmal nicht zu neuen Pulvern passen – auch wenn der Name des Pulvers gleich ist.
 
Wiederladen sollte man nicht als günstige Alternative zur Fabrikladung sehen, sondern als Feinabstimmung für die eigenen Waffen.  Es ist auch mehr ein Hobby im Hobby.
Man benötigt Platz, einen stabilen Tisch, die Werkzeuge und natürlich Zeit. Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt und die Kataloge der Händler durchblättert wird über die Vielzahl der angebotenen Produkte überrascht sein. Man benötigt garantiert nicht alles was man so sieht und auch die Startersets sind von Anbieter zu Anbieter verschieden zusammengestellt – meistens fehlt dann doch etwas. Die Kurse vermitteln die Rechtliche Seite sehr stark und das eigentlich Handwerkliche mehr am Rande.
Alles ist natürlich immer Ansichtssache und Subjektiv, aber als Einsteiger ist eine massive Ein-Stationen Presse aus Stahl nicht die schlechteste Idee. Mehrstationen Pressen, Progressive (automatische) Pressen oder ähnliches sind eine tolle Sache für größere Mengen. Aber am Anfang fällt es einem nicht leicht alle Schritte in dem Gerät im Auge zu behalten. Außerdem sehe ich den Nutzen eher in Kurzwaffenmunition, evtl. noch Gewehrmunition in kleineren Kalibern / Hülsen so wie .30M1 oder .222 / .223.
 
Hier mal eine Mehrstationen Presse, eine LEE 1000. Die erste Station bekommt die Hülse zugeführt, hier wird das Zündhütchen ausgestoßen und die Hülse kalibriert. In der zweiten Station wird das neue Zündhütchen gesetzt und das Pulver eingefüllt. In der dritten Station muss man ein Geschoss auf die Hülse setzen, dies wird dann gesetzt und die Hülse leicht gecrimpt. Das alles passiert gleichzeitig wenn man den Hebel betätigt. Wenn etwas in diesem „Uhrwerk“ klemmt oder falsch justiert ist, geht einiges an Zeit drauf bis alles einwandfrei funktioniert. Man kann sich auch vorstellen, dass eine einmal eingerichtete Presse, ein wenig Zeit und Geduld benötigt, die Pulvermenge oder den Geschosstyp zu ändern.
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Dieses Bild zeigt eine Revolver-Kopf Presse. Im Prinzip eine Ein-Stationen Presse, in die sich 6 anstatt einer Matrize einschrauben lassen. Hier spricht man von einem „C“ Rahmen der vorne offen ist, erleichtert das Arbeiten und ist für Kurzwaffen und kleine Langwaffenhülsen geeignet. Eine „O“ Rahmen Presse ist komplett geschlossen und für alles verwendbar, da sie aber vorne geschlossen ist muss man umgreifen (ein Bsp. ist die RCBS Rock Chucker – einfach mal googeln)
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Eine Balkenwaage ist ebenfalls keine schlechte Sache, der Markt offeriert zwar eine Menge digitaler Waagen aber die „analogen“ haben einen Vorteil wenn man Ladungen einzeln abwiegt. Feinwaagen bekommt man bei den bekannten Herstellern. Man sollte  vorher schon ein wenig abschätzen was man wiederladen möchte, viele Waagen haben einen bestimmten Wiegebereich. Eine günstige, aber nicht schlechte Waage stellt LEE her allerdings ist hier bei max. 110 Grain Schluss. Geschosse auswiegen ist hier  nicht wirklich möglich – rein für Pulver reicht sie alle mal.
 
Die günstige von LEE und das Model 10-10 von RCBS:
LEE WaageRCBS Waage 10-10
 
Hier eine digitale Waage von Frankford Arsenal:
Digital Waage
 
Somit kommen wir zum nächsten Teil in der Ausrüstung, dem Pulverfüll Gerät. Braucht man nicht unbedingt man kann auch jede einzelne Pulverladung auf der Waage abwiegen, allerdings dauert das seine Zeit und das macht spätestens dann keinen Spaß mehr, wenn man mal 200 oder mehr Patronen fertigen möchte.
Dieser Pulverfüller besitzt eine Mikrometer Justierung, so kann man, wiederholgenau, sich die Einstellung für verschiedene Ladungen notieren. Zudem gibt es zwei dieser Mikrometer Einheiten eine für kleine Chargen und eine andere Einheit für große Chargen.
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Da das Pulver ja auch in die Hülse muss, ist ein Pulvertrichter sehr nützlich. Dieser hier hat einen konischen Auslauf der sich für Hülsen vom Kaliber .22 bis .45 eignet. Der Konus stellt sicher dass das Pulver in der Hülse und nicht daneben landet.
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Viele Pressen bieten eine Möglichkeit ein Zündhütchen zu setzen, in manchen Fällen ist das recht kompliziert und man kann sich überlegen in ein separates Zündhütchen-Setzgerät zu investieren. Hier mal als Beispiel eines von vielen Exemplaren die der Markt anbietet.
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Die passenden Matrizen benötigt man natürlich auch, bei den Kurzwaffenhülsen (zylindrische Hülsen) sollte man einen Hartmetall Satz wählen, hier kann man sich das Fetten der Hülsen sparen.
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Kleinteile sind nicht zu verachten, man vermisst sie meist wenn man gerade bei der Arbeit ist. Der Hülsenhalter für die Presse ist so ein Teil, zwar legen ihn manche Matrizenhersteller ihrem Satz bei (z. Bsp. LEE Sätze) aber eben nicht alle. Ein Entgrater für den Hülsenmund ist ebenso eine tolle Sache wenn man Bleigeschosse verlädt, eine Fase am Hülsenmund erleichtert das Setzen des Geschosses.
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Für Gewehrpatronen (Flaschenhalshülsen allgemein) benötigt man noch ein Fettkissen, Fett und eine Vorrichtung/Gerät die Hülse zu trimmen (kürzen). Hier gibt´s welche für die Bohrmaschine, manuelle – handbetriebene (so eine Art kleine Drehbank) oder auch gehärtete Matrizen, hier wird dann der Überstand abgefeilt. Alles funktioniert, hier gilt es mal den eigenen Verbrauch abzuschätzen und sich dann das passende Gerät auszusuchen. Passenden Innen und Außen Entgrater (für die getrimmte Hülse) und Graphitpulver (Hülsenmund Innen) um das Kalibrieren zu erleichtern.
Tja und irgendwie möchte man ja auch gereinigte Hülsen, kann man mit einem Netz in die Waschmaschine geben oder kochendes Wasser mit etwas Waschpulver in einen Eimer und mit einem Stab die Hülsen darin drehen. Ein preiswerter Discounter Ultraschallreiniger funktioniert auch gut oder die „Profi“ Lösung der Hersteller. Für die Tumbler benötigt man dann ein Medium (Mais oder Nussgranulat) und evtl. noch einen Zusatz damit sie schön glänzen.
 
Hier mal als Beispiel ein Ultraschallreiniger mit Heizung und ein Tumbler von Lyman. Beide haben Vor- und Nachteile, deshalb nutze ich beide Reinigungsarten. Ist aber am Anfang nicht nötig.
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Tja das alles gilt es erst mal zu erwerben, bevor man die erste Patrone selbst herstellen kann. Einige der Teile kann man günstiger im „Nicht“ Wiederlade Handel bekommen. (z. Bsp. Digitale Feinwaagen oder Entgrater/Senker) hier lässt sich auch etwas sparen. Auch gebraucht ist immer mal etwas im Angebot, eine stabile Presse hält ein paar Jahrzehnte.
 
Wenn man sich einen Überblick über die Preise verschafft hat, kann man schon einmal abschätzen ob man sich hier ein zusätzliches Hobby anlachen möchte. Ist der Munitionsverbrauch hoch oder die Fabrikmunition teuer, bzw. vielleicht gar nicht mehr erhältlich fällt die Entscheidung etwas leichter.
 
Viele Lehrgänge vermitteln das Herstellen einer Kurwaffenpatrone (.38 Special), hier wird der Hülsenhalter auf dem Stempel der Presse angebracht und dieser in die oberste Stellung gebracht. Nun die Ausstoßer-/Kalibriermatrize einschrauben bis sie auf dem Hülsenhalter locker aufsitzt. Matrize festkontern und loslegen. Die Kurzwaffenhülsen verlieren nun ihr altes Zündhüchen und bekommen ihre alte Form zurück.
Ist die Hülsenserie entzündert und kalibriert , setzt man das neue Zündhütchen - jetzt wird die Matrize gegen die Aufweitematrize getauscht. Diese nach Anleitung des Herstellers einstellen (ist nicht immer gleich) und den Hülsenmund leicht an trichtern, das Geschoss sollte sich nun etwas in die Hülse setzen lassen (nur so dass es gerade so funktioniert).
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Das Pulver wird nun in die Hülse gefüllt, die letzte Matrize eingeschraubt und nun das Geschoss auf die richtige Tiefe gesetzt. Da der leichte Trichter ja noch vorhanden ist wird, im letzten Schritt dieser mit einem Crimp (Matrize wird verstellt, aber nicht entfernt) an das Geschoss angelegt.
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Patrone ist fertig.
 
Das war ein kurzer Abriss über das Widerladen einer Kurzwaffenpatrone. Der Beginner wird um gute Literatur und vielleicht einen Schulterblick bei einem seiner Vereinskameraden nicht rumkommen.
 
Besonders bei Flaschenhals Langwaffenpatronen (z. Bsp. .308 Win.) funktioniert das etwas anders. Hier enthält ein Matrizensatz meist nur zwei Matrizen und die Hülsen müssen vor den einzelnen Schritten außen leicht gefettet und der Hülsenhals innen leicht graphitiert werden, ansonsten können die Hülsen bei dem Kalibrier und Zünder Ausstoßen in der Matrize festklemmen. Dauert dann ein Weilchen bis man die wieder lösen kann ohne etwas zu beschädigen. Ich entferne auch anschließend gerne wieder das Fett und den Graphit in der Ultraschallreinigung. Hülsen trocknen lassen und die Länge nachmessen. Hier gibt es Maßtabellen und die Maximallänge darf nicht überschritten werden. Ist die Hülse zu lang muss diese getrimmt und entgratet werden, stimmt die Länge wird das Zündhütchen gesetzt und das Pulver eingefüllt. Ein normales Teil -/Vollmantelgeschoss wird nun mit der zweiten Matrize auf die richtige Tiefe gesetzt.
 
Fertig, nun kann man sie wieder entleeren.
 
Dies ist nur ein kleiner Abriss um, zumindest dem reinen Anfänger, die Thematik ein wenig näher zu bringen. Jeder Wiederlader ist eigenverantwortlich und muss sehr vorsichtig mit Ladedaten sein (besonders die aus dem Netz) ungeprüft sollte man diese nicht verwenden. Man kann seine eigen Laborierung gerne von der DEVA prüfen lassen um Sicherheit für sich und seine Standnachbarn zu erreichen.
 
Vielleicht hilft es dem ein oder anderen Unentschlossenen sich die Arbeitsschritte und das drum herum vorzustellen und die Entscheidung zu erleichtern.
 
 
 
 
2015 Copyright by Bernd Dinges

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